Schutz gegen Inflation: Immobilien, Bitcoin oder Gold?

Die Angst vor der Inflation nimmt bei vielen Anlegern zu. In den nächsten Monaten werden viele Billionen US-Dollar und Euro in die Märkte fließen. Doch welche Anlageklasse ist am besten geeignet, sich vor der Inflation zu schützen?

Immobilie, Kryptowährung oder Edelmetall

Auch wenn das Ausmaß der Coronapandemie noch unklar ist, wissen wir heute schon, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession fallen wird. Dieser Crash hat Auswirkungen auf alle Anlageklassen. Inflation als Reaktion der Zentralbanken wird immer wahrscheinlicher. In der Verkaufspanik Mitte März stürzten alle Vermögenswerte, auch das Gold, ab. Auch nach der Panik stellt sich die Frage, wo man sein gespartes Geld anlegen und gegebenenfalls umschichten soll. Die Anlageklasse, die am wenigsten reagierte, war – wenig überraschend – die Immobilienbranche.

Wenn Illiquidität nicht nur Nachteile hat

Wenn es um Panikverkäufe geht, ist Bitcoin ein schlechter Aktivposten für diejenigen, die nur langsam reagieren. Ganz gleich, wann der Schock die Börsen erreicht, Kryptowährungen werden rund um die Uhr gehandelt und können sofort liquidiert werden. Im Zweifelsfall sind Kryptowährungen daher die erste Anlage, die verkauft wird, ergo vor jeder anderen Anlageklasse. Die hohe Liquidität und Fungibilität von Bitcoin kann sich in solchen Situationen als Nachteil erweisen.

Immobilien hingegen reagieren auf Wirtschaftskrisen mit einer erheblichen Zeitverzögerung. Daher wird man erst in einigen Wochen sagen können, ob es in der kommenden Wirtschaftskrise eine Immobilienkrise geben wird. Dies gilt natürlich nicht für die Krise von 2008, in der Immobilien oder faule Immobilienkredite die Finanzkrise ausgelöst haben.

Immobilien: Die zwei Seiten der Medaille

Während bei Bitcoin und Gold die Kaufargumente nach der Verkaufspanik offensichtlich sind – knappes Angebot im Gegensatz zur Geldflut der Zentralbanken – ist dies bei Immobilien nicht so einfach zu beantworten.

Einerseits bieten Immobilien als reale Vermögenswerte einen relativ guten Schutz vor Inflation. Jedenfalls hat die Ausweitung der Geldmenge in den letzten Jahren zu stark steigenden Kaufpreisen für Immobilien geführt. Bisher haben sich Immobilien für Investoren als Inflationsausgleich bewährt. Dieses Argument gilt jedoch auch für Aktien, die zwischen der letzten Finanzkrise und der aktuellen vor allem durch die Ausweitung der Geldmenge und nicht durch Produktivitätsgewinne gestiegen sind.

Krise trocknet den Kreditmarkt aus

Auf der anderen Seite trocknet der Kreditmarkt in einer Krise aus. Die Menschen können ihre Mieten nicht mehr bezahlen, Bauprojekte werden nicht mehr finanziert und eine fehlende Käuferseite kann schnell zu einer negativen Preisspirale führen. Viele werden wohl noch die Bilder aus dem Jahr 2008 sehen, in denen die Menschen ihre teuer finanzierten Immobilien verlassen mussten. Allerdings gab es oft keine oder nur sehr niedrige Preise. Die vermeintlich sichere Anlageimmobilie ist für viele Menschen zum absoluten Alptraum geworden.

Auch Immobilienfonds gerieten massiv unter Druck, so dass nicht nur die physischen Eigentümer, sondern auch „Immobilienmakler“ große Verluste erlitten. Bei einer Investition in Bitcoin oder Gold hat man diese Risiken nicht, auch wenn bei einer fremdfinanzierten Investition natürlich Kreditrisiken entstehen können.

Schutz gegen Inflation: Das große Vorbild des Goldes

Während Gold seit Jahrhunderten als Inflationsschutz Nr. 1 gilt, gilt dies für digitales Gold (Bitcoin) nur in begrenztem Umfang. Schließlich ist das Phänomen Bitcoin noch zu jung, um sich auf historische Daten zu verlassen, die verlässliche Aussagen ermöglichen.

Bei Immobilien sieht es anders aus. Obwohl diese aus Zeiten höherer Inflation als Gewinner hervorgingen, gab es danach oft eine zusätzliche Steuer, die die Inflationsgewinne stark reduzierte. In der großen deutschen Inflation des letzten Jahrhunderts wurde mit der Haussteuer und dem Ausgleichsgesetz eine enorme finanzielle Belastung für vermeintliche Inflationsgewinner erlassen.

Die Beispiele zeigen, dass Immobilien bei moderater Inflation gut geeignet sind, um sich vor der Inflation zu schützen, während bei einer Hyperinflation die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass der Staat das Immobilienvermögen durch zusätzliche Abgaben besteuert. Ob sich eine Immobilieninvestition noch lohnte, ist erst im Nachhinein bekannt.

Führt die Inflation zu einem Bitcoin-Verbot?

Auch beim Gold hat es in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder staatliche Eingriffe in Form von Goldverboten gegeben. Im vergangenen Jahrhundert war Gold sowohl in Deutschland als auch in den USA lange Zeit verboten. Es ist unwahrscheinlich, dass sich solche Extremszenarien in Zukunft wiederholen werden. Denkbar sind jedoch sanftere Einschnitte. Diese zeigen sich bereits beim Kauf von Gold, der nur in begrenztem Umfang anonym erfolgen kann. Im Rahmen der 4. EU-Geldwäscherichtlinie, die am 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist, wurde der Betrag, zu dem Gold anonym gekauft werden kann, von bisher 10.000 EUR auf 2.000 EUR reduziert.

Und was ist mit Bitmünzen? Wie bereits erwähnt, mangelt es an Erfahrung, wie sich Bitcoin in verschiedenen Phasen der Krise verhält. Seit der Geburt von Bitcoin befindet sich die Weltwirtschaft endlich in einer Rallye. Die Koronakrise ist die erste globale Wirtschaftskrise, in der sich Bitcoin bewähren muss. Die Chancen stehen gut, dass sich die Staaten bei Bitcoin die Zähne ausbeißen und die Finger davon lassen. Schließlich gibt es keine Zugangsmöglichkeiten. Bitcoin kann nicht physisch beschlagnahmt werden, und die Einnahme im Rahmen einer Sondersteuer ist mehr als kompliziert. Falls erforderlich, kann es einzelne Staaten geben, die versuchen werden, solche Verbote und Bedingungen durchzusetzen. Die Chancen sind jedoch nicht hoch, dass dies funktioniert.

Nicht ob, sondern wann

Jeder Investor sollte neben Bitcoin auch Immobilien, Gold und Aktien besitzen. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass in einer Wirtschaftskrise und nach einer Hyperinflation Sonderabgaben die Regel und nicht die Ausnahme waren. Auch wenn sich Bitcoin im Gegensatz zu Gold zum Schutz vor Inflation bewähren muss, kann es im Portfolio der Investoren ein Maximum an Rendite erzielen.